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... auch, wenn im kaum vermeidbaren Weihnachtstrubel manchmal die Planung etwas durcheinandergerät. Wenn auch bei Ihnen in diesen Vorweihnachtstagen mal etwas schiefgehen sollte, nehmen Sie es gelassen und erfreuen Sie sich an der peinlichen Geschichte, die sich in der Tat so zugetragen hat:

 

Farsumagru - oder:

Die unglaubliche Riesenroulade aus Sizilien

 

Obwohl Rindfleischgerichte in Zeiten von BSE nicht im Trend liegen, ist mein Rezept für Farsumagru das schönste und weihnachtlichste in meiner Rezeptsammlung: es haben sogar Leute mit Vergnügen gelesen, die sonst nie Rezepte lesen.

 

Schon der Name ist schwer auszusprechen, aber die abenteuerlustige Köchin (oder der Koch!) soll sich ruhig der Herausforderung stellen und in einer traditionellen deutschen Schlachterei das benötigte Fleisch besorgen ...

Unser Schlachter ist ja mit der Zeit so einiges gewöhnt und fragt auch nur noch schüchtern nach, ob wir sicher sind, dass wir das Fleisch wirklich "so" haben wollen. Na klar, in Deutschland wird das Fleisch anders zerteilt als in Italien, so dass es nicht verwundert, wenn der Schlachter zunächst irritiert zuckt. Wenn es darum geht, die Rinderfilets statt 4 cm nur 2 cm dick zu schneiden, flammt schon manchmal eine kurze Diskussion auf, ob es in der Pfanne nicht trocken wird ("Nein, wir möchten es schmoren" - "Schmoren???"' - "Ja, genau, es wird vorher in Zitrone mariniert ... " es folgt das ganze Rezept).

 

Letztes Jahr zu Heiligabend hätten wir es uns allerdings fast ganz mit der Gunst unseres Schlachters verdorben, da wir in der immer wiederkehrenden Hektik vor Heiligabend völlig vergaßen, das Fleisch für den Braten zu bestellen. Normalerweise kein Problem, allerdings benötigten wir für das Farsumagru eine Rinderoulade mit den Top-Massen von 40 cm mal 50 cm, 1,5 cm dick!

 

Also stiefelte mein Lebensabschnittsgefährte Uli tapfer am Heiligabend um 11.oo Uhr in die Schlachterei, stellte sich in die Schlange, sah geduldig zu, wie eine ganze Reihe Kunden vorbestellte Fleischpakete nur noch abholten und sagte als er an der Reihe war freundlich, er hätte gern 100 g rohen Schinken, 200 g Hackfleisch, eine grobe Bratwurst und (flüster) eine Scheibe Rindfleisch mit den Maßen 40 x 50 x 1,5 cm ...

 

Gut, gut, wir sind es gewöhnt, dass der Meister gerufen wird, sobald einer von uns den Laden nur betritt, aber diesmal verursachte der zuletzt geäußerte Wunsch doch fast einen Herzanfall. Der Meister stand Uli Auge in Auge gegenüber, fragte sicherheitshalber noch mal die Maße ab und ging dann schnurstracks in den Kühlraum, um ein neues Tier zu zerlegen. Ist ja kein Problem, wenn der Laden rappelvoll ist!

 

Voller Pein nahm Uli die bösen Blicke der umstehenden Kunden auf sich ("an Heiligabend" ... "sowas kann man doch vorbestellen") und war außerordentlich peinlich gerührt, als der Meister die Roulade auf der Zielgeraden verriß: er setzte den ersten Schnitt zu dünn an, wodurch die Roulade in der Mitte ein Loch hatte - und -schwupp!- ab damit in den Resteeimer. War ja nur gutes Rindfleisch.

 

Versuch Nr. zwei gelang dem Meister, Uli kam mit seiner Beute gut zu Hause an, das Heiligabend-Menü war gerettet und seither muß ich die komplizierten Sachen beim Fleischer ordern ...

Christine Müller (1996)

 

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, kann sich gern zu Weihnachten auch an der unglaublichen Riesenroulade versuchen.

 

Lust auf weitere Rezepte? Dann schauen Sie doch mal in die Kochecke im bsnet, wo meine Rezepte Ihnen beim Lesen hoffentlich Lust aufs Ausprobieren machen.